Test: WWE Day of Reckoning
Der Beginn des letzten Quartals des Jahres ist für Wrestlinggames-Fans und die, die es noch werden wollen, die interessanteste Zeit, denn in diesem Zeitraum erscheint Jahr für Jahr ein Großteil der WWE-Spiele. Den Anfang macht wieder der Gamecube mit der Fortsetzung zum recht gelungenen Wrestlemania XIX, welches sich aufgrund der Story-Mode-Thematik nun "WWE Day of Reckoning" nennt. Die Eindrücke von der 95%-Version der Games Convention 2004 waren jedenfalls durchweg positiv.
1. Story-Mode
Ich beginne direkt mit dem Story-Mode, da dieser nach dem eher unpassenden und durchwachsenenbackstage-
basierten Revenge-Mode des Vorgängers realistischerweise sich wieder vorwiegend im Ring befindet und die größte Änderung darstellt. Man wählt zu Beginn einen vorgefertigten CAW aus oder baut sich selbst einen im Create-a-Wrestler-Modus, auf welchen ich später noch eingehen werde. Man fängt allerdings nicht sofort bei WWE an, sondern muss erstmal ein halbes Jahr lang in Farmligen und Dark-Matches gegen No-Name-Gegner antreten und sich einen Platz bei WWE verdienen. Auf dem Weg dorthin werdet ihr von "The Coach" begleitet und bekommt von ihm Instruktionen, wie ihr Matches beenden sollt, oder was er gerne sehen will. Zum Beispiel sollt ihr Paul Heyman mal euren Finishing-Move vorführen oder mal eure Flugkünste vom Top-Rope zur Schau stellen. Wenn euer CAW richtig gut werden soll, solltet ihr alle Elemente des Gameplays beherrschen, da ihr nach jedem Match bewertet werdet und desto besser ihr kämpft, desto höher könnt ihr euren Wrestler "tunen", indem ihr seine Attribute wie Speed, Power, Submission und Charisma erhöht. Ein Tutorial und Trainingsmodus ist auch wieder enthalten, sodass dies nach etwas Übung zu schaffen sein sollte. Im letzten Jahr kommt man bei WWE unter Vertrag und versucht dann, sich von Heat (Velocity fehlt seltsamerweise) nach oben zu arbeiten, und kämpft irgndwann um die Titel. Natürlich entstehen dabei Fehden und Allianzen und es passieren Dinge, die für einiges an Abwechslung sorgen. Enden tut dann alles bei Wrestlemania XX, viel mehr möchte ich nicht verraten. Das Problem beim Story Modus ist, dass er 100% linear abläuft, d.h abgesehen davon, ob ihr zu RAW oder SmackDown! wollt, könnt ihr keinerlei Entscheidungen treffen und selbst die Storys sind in RAW und SmackDown! identisch. Wenn ihr ihn also einmal durchspielt, habt ihr im Grunde alles gesehen und die Aufgaben werden auch beim nächsten Mal die selben sein. Trotzdem ist der Modus innovativ und zumindest beim ersten Durchspielen sehr gut gelungen. Auch das Bewertungssystem ist hervorragend ausgearbeitet und freizuspielen gibt es auch Einiges. Bleibt zu hoffen, dass diese Idee im nächsten Jahr mehr Abwechslung bietet und wir vielleicht auch mal was von den Wrestlern hören anstatt nur zu lesen.
2. Create-a-Wrestler-Mode
Da der CAW-Modus quasi mit dem Story-Modus gekoppelt ist, gehe ich auf diesen als nächstes ein. In diversen Menüs kann der Spieler wirklich wieder alles verändern, was vorstellbar ist. Vom gesamten Interface kommt der Modus wieder komplex daher, ist aber im Grunde diesmal auch einfacher als der von WMXIX. Was in WMXIX gut war, wurde auch beibehalten, und es wurde auch noch einiges hinzugefügt. Auch das Paint-Tool bzw. der Logo-Creator ist wieder dabei und nach einiger Einarbeitung gelingt einem nahezu alles, was man sich vornimmt. Nur blöd, dass man normalerweise keine Logos auf Hosen setzen kann. Auch "Entrance Attires" fehlen blöderweise. Wer also eine Jacke bei seinem Einzug trägt, wird diese auch im Kampf tragen müssen. Trotz dieser genannten negativen Aspekte ist der Modus wiedermal spektakulär und bietet ungemein viel Tiefe und Möglichkeiten. Besonders positiv ist auch die Tatsache, dass selbstgebaute Wrestler im Spiel genau so gut aussehen wie die vorhanden Wrestler. Mit genügend Übung kann man sich wirklich nahezu perfekte Wrestler, die etwa fehlen, - und das sind einige - nachbauen. Neu sind unteranderem noch Features wie die Gewichtsangabe. Ein "Lightheavyweight"-Wrestler wird beim Spielen den "Momentum Lift" einsetzen dürfen/müssen. Ein Foto kann man von seinem CAW nun auch schießen, was ein sehr gelungenes Feature ist, da der Wrestler so wirklich ein Teil des Spieles wird. Auch der hervorrangende Create-An-Entrance-Modus ist wieder dabei. Man kann nun zwischen einer einfachen und schnellen Art wählen, seinen Einzug zusammenstellen, oder ihn detaillierter erstellen, was mehr Zeit beansprucht. Dieses Feature ist wiedermal rundum gelungen, nur leider gibt es blöderweise einige Kameraeinstellungen aus dem Vorgägner nicht mehr. Bei den Moves hingegen wurde deutlich aufgestockt. Nicht nur, dass sehr viele neu animiert wurden, es gibt auch viele neue Moves und auch Puroresu-Fans kommen mal wieder nicht zu kurz. Ich wünsche mir für den nächsten Teil lediglich mehr Moves für Crusierweights wie Rey Mysterio. Diese kommen auf dem Cube bisher im Vergleich zu SmackDown! auf der PS2 eindeutig zu kurz.
3. Gameplay
Für mich unter anderem auch bei einem Wrestlinggame der wichtigste Punkt ist das Gameplay und dieses ist in DoR im Vergleich zu WMXIX nochmal deutlich verbessert worden. Die Steuerung ansich ist die selbe wie im Vorgägner mit den leichten Grapples, die direkt ausgeführt werden, und starken Grapples, die gehalten werden und daraufhin mit einer weiteren Benutzung des A, oder B + Steuerkreuz-Buttons zu einem Move führen. Neue Matchvarianten gibt es keine bis auf das aus der SmackDown!-Serie bekannte "Bra and Panties"-Match, welches durchaus auch Spaß machen kann. Das "Hell in a Cell"-Match ist noch immer das beste, das man in einem Wrestlinggame finden kann, und das "TLC"/"Ladder"-Match wurde auch deutlich verbessert. Da passieren dem Gegner oder einem selbst manchmal schon unglaubliche Dinge. Einen Wrestler etwa von der Leiter zu schmeißen, sodass dieser dann aus dem Ring fliegt, ist ein Genuß. Das Cage-Match ist noch das selbe wie in WMXIX, welches da schon gut war, nur leider kann man weder den Gegner in die Gitter befödern noch vom Käfigrand herunterspringen, was beim HIAC hingegegen möglich ist. Das Game sieht in Bewegung nun deutlich weicher, realistischer und einfach besser und durch die coolen Kamerafahrten, Replays und Effekte noch sehr viel schöner und spektakulärer aus. Auch Moves vom Turnbuckle oder sonstwo runter sehen nun deutlich besser, wirken nicht mehr zu schnell wie in WMXIX und haben wie auch die meisten normalen Moves einen richtigen "Impact", sodass man dann an den Gegnern sehen kann, wie sehr ein Move wehgetan hat. Rundum wirkt das Matchgeschehen nun einfach flüssiger, simulationslastiger und somit auch realistischer. Clipping-Fehler treten glücklicherweise nur noch selten auf. Außerdem wurde das Gameplay durch neue Features wie den "Momentum Shift" erweitert, welcher es geschwächten Wrestlern ermöglicht, im Danger Bereich durch eine fiese Aktion wieder ins Match zurück zu kommen. Ebenso innovativ der "Momentum Lift", bei dem ein verhältnismäßig kleiner Wrestler es mit Schnelligkeit und Geschick schaffen kann, einem größeren bzw. schweren Wrestler einen Move zu verpassen. Für diese Features muss wie auch für das Aufstehen und das Submission-System den A-Knopf so schnell wie möglich betätigen. Aus SmackDown! HCTP wurde das Submission-System übernommen und in Kombination mit dem Schadenszonen-System aus WMXIX funktioniert das wunderbar. Ist ein Submission-Move angesetzt, müssen der Spieler und sein Gegner so schnell wie möglich den A-Knopf antippen. Der eine versucht, den Move zu halten, während der andere versucht, ins Seil zu kommen oder sich zu befreien. Nun kommen wir noch zum Konter-System, über das sich in der Zwischenzeit schon einige beklagt haben. Das Kontern ist nämlich schwerer geworden, was ich allerdings für eine gute Sache halte. Bei WMXIX war es einfach zu leicht. Mit etwas Übung und Gefühl bekommt man das aber in den Griff und kann wunderschönne Matches haben. Nur auf Expert wird es etwas zu viel des Guten: Da kontert die CPU nämlich ständig, egal was man tut. Das ist zwar anspruchsvoller, aber die Matches sind dann natürlich nicht so schön und realistisch. Ich empfehle daher "Hard", da ist es wunderbar zumindest bei mir. ;-) Auch Special-Moves können wieder gekontert und geklaut werden. Außerdem gibt es viele verschiedene Counter-Stile, die ihr eurem CAW geben könnt. Positiv ist auch, dass Wrestler, die sich im Special befinden, also einen Finishing Move ausführen können, nachdem sie einen Finisher abbekommen haben, nicht gleich wieder aufstehen, sondern auch liegen blieben wie es sich nach eigentlichem Zustand auch gehört. Auch die Gegenstände haben nun eine deutlich größere Auswirkung: Sie schaden dem Gegner deutlich mehr, gehen nach einigen Schlägen auch zu Bruch und es gibt einige neue Weapon-Grapples. Das Gameplay ist Klasse, meiner Meinung nach das Beste in einem WWE-Game derzeit. Negativ ist wie gesagt die hohe Konterrate der CPUs auf "Expert" und dass z.B Running-Strikes nicht immer treffen.
4. Grafik
Die grafische Darstellung wurde deutlich verbessert. Die Wrestler kommen nicht mehr so comicartig wie im Vorgänger rüber und sind sehr detailliert und auch die Modelle sind in fast allen Fällen nahezu makellos. Die Einzüge sind auch deutlich aufgepeppt worden und der Einzug des Undertakers etwa kommt dem echten schon sehr nahe. Bei den Schlägen sieht man den Schweiß wegspritzen, wenn der Wrestler blutet, dann das Blut. Was man nicht als Gesichtszüge dargestellt hat, das hat man als Geste eingearbeitet. Man hört eben nicht die Wrestler schreien oder stöhnen, sondern merkt an ihrer Körperhaltung, was ihnen die jeweilige Aktion für Schmerzen bereitet. Wie schon beim Gameplay erwähnt, sehen die Animationen auch im Match endlich richtig klasse aus, mit den vielen Effekten und Kamerafahrten wird dieser Eindruck noch verbessert. Nun noch zu einem negativen Punkt: Den Zuschauern. Zwar gibt es keine Pappkameraden zu vermelden wie etwa bei RAW auf der X-Box und PC, aber die pixeligen, mit nur wenigen Animationsphasen bewegten Fans in der Arena sind wahrlich keine Hingucker. Den sehr guten grafischen Gesamteindruck trügt das kaum, da die Action im Ring zählt.
5. Sound
Dieses Jahr gibt es zum ersten Mal ein paar vernünftige lizensierte Songs als Hintergrundmusik auf die Ohren. Wem die Mischung aus Hip Hop, Metal und Rock nicht gefällt, kann den Sound auch austellen. Auch die Wrestler selbst kommen fast alle mit ihren originalen Musiken daher. Sehr schade ist nur, dass eine Legende wie Bret Hart mit Ingame-Musik zum Ring kommen muss. Die Soundeffekte sind ansonsten recht gut gelungen. Ringannouncer und sonstige Sprachausgabe vermisst man leider wieder auf dem Gamecube.
6. Fazit
Bei Day of Reckoning handelt es sich ganz klar um das beste Wrestlinggame für den Gamecube. Wie auch beim Vorgägner liegen die größten Stärken beim Gameplay, dem Create-a-Wrestler-Modus, der grafischen Präsentation und natürlich dem Multiplayermodus.
Auch der Story-Modus ist gut gelungen und innovativ, aufgrund der 100%-Linearität verliert er aber nach mehrmaligen Durchspielen seinen Reiz, da man auch für die gelungene Shopzone sicherlich genügend Geld zur Verfügung hat. Im Vergleich zu SmackDown! HCTP für die PS2 fehlt es noch immer an Abwechslung vor allem für Solo-Spieler. Das Roster ist ohne die Dudleys, JBL und co. auch eine kleine Katastrophe, das macht der CAW-Modus aber wieder gut. Wenn ich ein Match bestreite, habe ich mit diesem Spiel trotz weniger Möglichkeiten mehr Spaß aufgrund der Unterschiede im Gameplay.
| Wertung: WWE Day of Reckoning |
| Hersteller |
THQ |
| Entwickler |
Yuke's |
| System |
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| Altersfreigabe |
ab 16 |
| Umfang |
36 Wrestler + 5 Legenden |
| Grafik |
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| Sound |
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| Gameplay |
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| Singleplayer-Spielspaß |
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| Multiplayer-Spielspaß |
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Pro Tolle Grafik -
Starkes Gameplay - |
Contra - Pixelige Zuschauer
- Hoher Schwierigkeitsgrad |
| 8.9/10 |
| DoR ist ein hervorragender Titel mit einem tollen Gameplay, schöner grafischer Präsentation, starkem CAW-Modus und wiedermal sehr gelunger Multiplayer-Action. Ein abwechslungsreicherer Story-Modus und mehr Matcharten würden das Spiel auch für Solo-Spieler interessanter gestalten. |